Nationale Verzehrsstudie II – warum die Ernährung der Deutschen nicht so ausgewogen ist, wie wir oft denken
Wer sich ausgewogen ernährt und gesund ist, braucht in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel. Diese Aussage ist richtig, doch es gibt zwei Bedingungen im ersten Halbsatz, die oft übersehen werden:
- Sie sollten gesund sein.
- Sie sollten sich ausgewogen ernähren.
Doch insbesondere bei Zweiterem gibt es anscheinend in der deutschen Bevölkerung noch Nachholbedarf.
Die Nationale Verzehrsstudie II liefert Daten
Aufschluss darüber gibt die Nationale Verzehrsstudie II aus den Jahren 2007-2009. In dieser wurden unter anderem 20.000 Einwohner zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und daraus Rückschlüsse auf die Versorgungslage mit Nährstoffen und Mineralien gezogen. In einer neuen Folgestudie, der Nationalen Verzehrsstudie III, sollen erstmals auch Blutwerte der Teilnehmer bestimmt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Start der Studie aber erstmal verschoben.
Die Nationale Verzehrsstudie II offenbarte, wie häufig Ernährungsempfehlungen in der deutschen Bevölkerung nicht erreicht werden. Im Folgenden ein kleiner Auszug:
- 68 % der Männer und 75 % der Frauen erreichen den Richtwert einer Aufnahme von 30 g Ballaststoffen pro Tag nicht.
- 27 % der Männer und 16 % der Frauen überschreiten den Richtwert der als gesundheitlich verträglich angesehenen Alkoholmenge.
- 48% der Männer und 49% der Frauen erreichen die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin E nicht.
- 79% der Männer und 86% der Frauen erreichen die empfohlene tägliche Zufuhr von Folat-Äquivalenten (Folsäure) nicht.
- 32% der Männer und 29% der Frauen liegen unter der empfohlenen täglichen Zufuhr von Vitamin C, obwohl die ausreichende Aufnahme von Vitamin C einfach möglich ist.
- 28 % der Männer und 53 % der Frauen erreichen die Empfehlung für die Jodzufuhr – auch unter Verwendung von Jodsalz – nicht. Ohne Berücksichtigung von Jodsalz erreichen 96 % der Männer und 97 % der Frauen die empfohlene Jodzufuhr nicht.
Statistische Tricks mit Medianwerten
Wenn gezeigt wird, wie gut die Bevölkerung mit Nähr- und Mineralstoffen versorgt ist, wird meist mit Medianwerten gearbeitet. Der Median ist der Wert, der in einer Gruppe genau in der Mitte liegt. Die eine Hälfte hat niedrigere Werte, die andere Hälfte hat höhere Werte. Der Median der Zinkzufuhr liegt beispielsweise über dem empfohlenen Referenzwert. Zink wird damit als unkritisch in der Versorgung angesehen und man könnte denken, dass die gesamte Bevölkerung gut mit Zink versorgt ist. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber, dass 32 % der Männer und 21 % der Frauen die empfohlene Tagesdosis an Zink nicht erreichen. So gesehen sieht die Welt schon wieder anders aus.
Wieder zeigt sich, dass Zahlen aus Studien wie der Nationalen Verzehrsstudie differenziert betrachtet werden müssen. Allgemeine Aussagen auf der Basis von Medianwerten zu treffen, verdeckt, dass einzelne Bevölkerungsgruppen oder Altersklassen nicht gut versorgt sind.
Wie ausgewogen sieht die Ernährung bei Ihnen aus?